Okt 29 1944 Südlengern

F-5A

Lockheed P-38 F-5A der 7. Photographic Reconnaissance Group (PRG) stationiert auf dem Flughafen Mount Farm in Oxfordshire

2nd Lieutenant Eugene Selzer Williams flog an diesem Tag mit seinem P-38 Aufklärungsflugzeug in 10.000 m Höhe mit dem Auftrag, die Städte Minden und Osnabrück zu fotografieren. Als er in Richtung Osnabrück steuerte, wurde er plötzlich von einem deutschen Jagdflugzeug, einer Me 262, aus 20 Metern Entfernung beschossen.

Ich schob beide Gashebel nach vorn und tauchte ab, um zu entkommen. Unter mir entdeckte ich eine weitere Me 262 und hielt meine Maschine in einem steilen Sturzflug. Der Höhenmesser fiel erschreckend schnell auf 4.000 m. Ich versuchte meine F-5 unter Kontrolle zu bringen, konnte sie aber nicht mehr hochziehen. Da ich keine andere Möglichkeit sah, schnallte ich meinen Sicherheitsgurt auf und öffnete das Cockpitdach. Der Wind schoß mir um die Ohren und zog mich aus dem Cockpit. Halb bewußtlos versuchte ich, die Reißleine meines Fallschirmes zu ziehen. Meine Arme schienen mir aber nicht zu gehorchen. So sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte den Griff nicht erreichen.

Wieder und wieder versuchte ich meine Arme zu bewegen. Mit meiner linken Hand tastete ich an meinen Kopf und ergriff mein Gesicht, dann meinen Kragen und meine Jacke, bis sich meine Hand schließlich zum Fallschirmgriff durchgearbeitet hatte, den ich ergriff und zog. Der Fallschirm öffnete sich kurz bevor ich auf den Boden aufgeschlagen wäre. So lag ich dort, halb bewußtlos auf dem Rücken.

Eine Menschenmenge versammelte sich um mich herum. Ich konnte meine Arme nicht bewegen. Meine Schuhe waren fort und meine Hosenbeine fehlten zur Hälfte. Fetzen meiner Schwimmweste lagen auf meiner Brust, meine Fliegerhaube und meine Handschuhe waren ebenfalls fort. Es kamen Männer einer Einheit der Waffen-SS und brachten mich fort. Im Krankenhaus stellten Ärzte fest, dass mein linker Arm vierfach gebrochen und mein rechter Arm ausgekugelt war. Nach einigen Tagen im Reserve-Lazarett Gütersloh kam ich in ein Luftwaffengefängnis und anschließend in das Verhörzentrum „Dulag Luft“ in Oberursel. Über mehrere Gefangenenlager wie „Stalag Luft I“ in Sagan und Nürnberg landete ich schließlich im „Stalag VII A“ bei Moosburg.

Nachdem die Amerikaner das Lager befreit hatten, wurde ich am 8. Mai 1945 in ein Krankenhaus nach Reims in Frankreich evakuiert. Zwei Wochen später wurde ich nach Cherbourg geschickt, weil ich nicht mehr auf ärztliche Hilfe angewiesen war. Anschließend kehrte ich nach England zurück und erreichte Chalgrove in der dritten Maiwoche 1945.

Die Maschine von Lt Williams stürzte um 11:45 Uhr im Ortsteil Südlengern der Stadt Bünde im Kreis Herford auf ein bebautes Grundstück in der Nähe des „Triftenweges“ nieder.

Lt Williams gehörte der 8. Airforce (Luftflotte), der 7. Photo Reconnaissance Group (Aufklärungsgeschwader) und der 22. P. R. Squadron (Aufklärungsstaffel) an. Heimatflughafen war Mount Farm in der Grafschaft Oxfordshire, England. Er flog bis zu seinem Abschuß insgesamt 16 Einsätze. Die Kennung seiner Maschine war ein dunkelblauer Spinner und rote Streifen auf der Motorhaube für die 7. P. R. Group sowie weiße Seitenruder für das 22. P. R. Squadron.

2nd Lt Williams mit seiner P-38 kurz vor dem Start

Flugzeugdaten
Typ: Lockheed P-38F-5E-3-LO
Seriennummer: 44-23729
Kennzeichen: 729
Einheit: 7. PRG / 22. PRS USAAF               Nationalität:   Amerikansiche Flagge   Amerikanisch

Besatzung
2nd Lieutenant Eugene Selzer Williams (gefangen)

Anmerkungen
Der Abschuß des amerikanischen Aufklärers ging auf das Konto von Leutnant Alfred Schreiber, zum damaligen Zeitpunkt 9./JG 6 und stationiert auf dem Fliegerhorst Achmer bei Bramsche, der eine Me 262 mit der Werknummer 110.387 und dem Stammkennzeichen TT-FA flog.

Lt Alfred Schreiber, zwischenzeitlich zum Oberleutnant befördert und zur 1./JG 7 versetzt, kam am 26.11.1944 bei der Kollision mit einem alliierten Jagdflugzeug (Spitfire) über der Stadt Nordhorn ums Leben. Dabei flog er eine Me 262 mit der Werknummer 110.372 und der „Weißen 3“ als Kennung.

Alfred Schreiber, geboren am 11.11.1923 in Keplachowitz, ruht auf der Kriegsgräberstätte „Obermeitingen-Schwabstadl“ im Landkreis Landsberg.

Quellen
Archiv Kreis Herford
MACR 10229
J 2352
Zeitzeugenbericht Eugene Williams
Fotos USAAF und Archiv Williams

Ein Kommentar

  1. Den Abschuss/Absturz des amerikanischen Flugzeuges 1944 habe ich als 12-jähriger – damals in Südlengern wohnend – selbst erlebt. Fritz Melchior, Kluskampstraße 41, 32657 Lemgo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.